Wollen wir wirklich uns und unsere Kinder zu einer schrecklichen Zukunft verdammen?

Österreich hat am 8 Juni 1992 die UNFCCC (die United Nations Framework Convention on Climate Change) in Rio de Janeiro unterschrieben. Das Parlament hat das Abkommen am 28. Februar 1994 ratifiziert und weltweit ist es seit 21. März 1994 in Kraft.

Vor über einem Vierteljahrhundert haben sich in dieser Übereinkunft 197 Vertragsparteien (“Parties”) ein wichtiges Ziel gesetzt: “... die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird. Ein solches Niveau sollte innerhalb eines Zeitraums erreicht werden, der ausreicht, damit sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können, die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und die wirtschaftliche Entwicklung auf nachhaltige Weise fortgeführt werden kann.”

Diese “Parties”, also alle Staaten der Welt, treffen sich Anfang November zur nächsten UN-Klimakonferenz, der sogenannten Conference of the Parties, zum 26. Mal, deshalb COP26.

Die COP1 fand 1995 in Berlin statt.

1995 hatten wir rund 24 Gigatonnen CO2 Emissionen durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Aber anstatt dann genau darauf zu achten und die Treibhausgaskonzentration zu stabilisieren, sind wir jetzt bei 36 Gigatonnen, also 36 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr, angelangt.

Damit haben wir in den letzten 30 Jahren so viel emittiert, wie in den 250 Jahren davor seit dem Beginn der Industriellen Revolution.

Vor allem in den reichen Ländern wie auch in Österreich hat die Politik trotz besseren Wissens viel zu wenig getan, um die „gefährliche vom Menschen verursachte Störung des Klimasystems“ zu verhindern. Und die Wähler:innen haben das zugelassen.

Es haben sehr viele Menschen in den reichen Ländern einen hohen materiellen Wohlstand erreicht. Das konnte aber nur geschehen, weil wir dementsprechend viele Emissionen, direkt etwa mit unseren Autos, Flugreisen, Gas- und Ölheizungen, und indirekt über unseren immer stärker werdenden Konsum, erzeugt haben.

Durch den Treibhauseffekt und die immer dichter werdende atmosphärische “Decke”, die unsere Erde umschließt, wird es immer heißer. Gefährlich zu heiß - nicht nur für den Menschen sondern für alle Lebewesen. Dazu kommt noch, dass das Meer eine “kalte Wärmeflasche”, die durch die täglich ein wenig dicker werdende Decke jetzt auch wärmer und wärmer wird und damit keine kühlende Funktion mehr hat.

Leider können wir diese Decke nicht einfach zurückschlagen. Wir und unsere Kinder sind darunter gefangen. Es hilft nur, wenn wir ganz rasch zu einem Punkt kommen, wo die Decke nicht mehr dicker wird, und zu hoffen, dass wir die dann vorherrschenden Temperaturen noch ertragen können. Richtig gefährlich wird es laut Klimawissenschaft ab der 1.5°C Grenze.

Durch klimatische Veränderungen werden etwa Dürren im Mittelmeerraum häufiger werden.

Syrien zum Beispiel hatte eine Dürre von 2006-2010. Dabei waren in diesem Zeitraum die globale Durchschnittstemperaturen noch fast ein halbes Grad Celsius unter dem heutigen Wert.

Es ist zu befürchten, dass bei den derzeitigen Prognosen aufgrund der von den Vertragsparteien des Pariser Klimavertrags eingemeldeten Emissionspfaden, den sogenannten NDCs, die bei weitem nicht ausreichen um “deutlich unter 2°C” zu blieben, nicht nur das Klima, sondern auch immer mehr Staaten instabil werden - mit all den fürchterlichen Folgen, die daraus entstehen.

Ein neuer Chatham House Report beleuchtet die Risiken im Detail und stellt diese Verbindungen zwischen Dürre, Ernteverlusten und sozialen Verwerfungen in 2040 deutlich dar.

Dabei geht er von 2.7°C zu Ende des Jahrhunderts aus, falls wir keine drastischen Emissionsreduktionen bis 2030 erzielen. Durch die aktuellen NDCs (National Determined Contributions) ist aber sogar eine Steigerung der Emissionen bis 2030 erwartbar.

Zwar haben manche Staaten seit 1994 ihre im Land verursachten Emissionen reduziert, aber diese zu einem sehr großen Teil nur in Billiglohnländer verlagert. Damit stiegen die globalen Emissionen weiterhin und haben inzwischen ein kritisches Niveau erreicht.

Durch den 2016 in Kraft getretenen Pariser Klimavertrag wollten die Staaten dieser Welt daher die durchschnittliche globale Erderwärmung auf 1.5°C beschränken, jedenfalls aber “deutlich unter 2°C” bleiben. Dabei hatte man immer das Jahr 2100 im Blick.

Seit dem 9. August 2021 ist aufgrund des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) klar, dass die Menschheit das Klimasystem schon so gestört hat, dass wir die 1.5°C Marke schon in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts überschreiten werden und nicht erst 2100 - es sei denn, wir bremsen uns drastisch ein.

Wenn wir aber so weitermachen, sind diese 2.7°C sogar vor 2060 im Bereich des Möglichen, und nicht erst 2100. Und zwar wenn die Klimasensitivität doch ein wenig höher ist, als jetzt vermutet.

Das wäre dann allerdings eine ganz andere Welt, die so viel Leid - zwar in unterschiedlich starker Ausprägung, aber doch an jedem Flecken der Erde - auslösen wird, wie wir es nicht einmal von den großen Kriegen kennen.

Derzeit sind wir laut IPCC Bericht übrigens bei 1,1°C im Dekadendurchschnitt.

In den letzten 11.000 Jahren hatten wir eine globale Durchschnittstemperatur, die im Vergleich zur vorindustriellen Temperatur um 1°C auf und ab schwankte.

Damit sind wir, was die Temperatur betrifft, erst minimal aus dieser Bandbreite draußen und trotzdem sind Überschwemmungen, Waldbrände, Tod, Not und Elend in den Medien bereits allgegenwärtig.

Aber noch sind diese Katastrophen örtlich begrenzt. Und treffen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.

Wenn 1.1°C schon solche Phänomene zeigt, wie wird es sein, wenn wir 4x so weit aus der über 11000 Jahren gewohnten Bandbreite rausgehen werden? Also wenn wir dann die 1.5°C im Dekadendurchschnitt erreichen.

Die 1,5°C Grenze wurde gewählt, nicht um die Katastrophe komplett zu verhindern, sondern sie zu begrenzen und erträglich zu halten. Und die “deutlich unter 2°C” Grenze, weil die Wissenschaft davon ausgeht, dass es ab da richtig schlimm wird.

Es werden unglaublich viele Menschen sterben oder große Not leiden müssen, wenn wir es nicht schaffen, eine globale Solidarisierung im Sinne der noch möglichen Klimagerechtigkeit zu erzeugen, so dass der Schutz von Menschenleben wieder vor dem Profitinteresse steht.

Das bedeutet nicht, dass wir in die “Steinzeit” zurück müssen, sondern nur, dass die Transformation unserer Gesellschaft jetzt geschehen muss.

Die Politik und die Ökonomie ist zwar nicht in der Steinzeit steckengeblieben, aber anscheinend im 20. Jahrhundert gefangen und braucht dringend Innovation um fit für das 21. Jahrhundert zu werden.

Wir haben das nötige Wissen und die nötigen Technologien , um die Rettung der Zukunft unserer Kinder zu starten. Es braucht noch Feinabstimmung und wir haben noch nicht alle Puzzle-Steine, um alles zu lösen. Aber wir müssen anfangen, mit dem, was wir haben - und das ist sehr viel. Denn einfach die Problemstellung zu negieren und auf den Sankt-Nimmerleinstag aka 2050 zu verschieben, ist angesichts der zu erwarten Katastrophe mehr als grob fahrlässig.

Die Politik muss jetzt in die Gänge kommen. Seit 1994 ist das Problem klar. Es wird Zeit, aus der Klimaschutz-Hängematte zu steigen, nicht nur darüber zu reden oder von Klimawohlstand, Steinzeit und ideologischen Bestrafungsfantasien zu schwurbeln, sondern in die Implementierung zu gehen.

Das gilt auch für die politische Willensbekundung aller Eltern! Nur darüber reden, bringt wenig. Wir brauchen alle auf der Straße, wir brauchen #AlleFürDieZukunft !

Der richtige Zeitpunkt, um für die eigenen Kinder, die eigenen Enkel, alle Nichten und Neffen, alle zukünftigen Bürger:innen Österreichs und alle Menschen auf der ganzen Welt einzustehen, wäre vor einem Vierteljahrhundert gewesen.

Die nächste Gelegenheit ist der weltweite Klimastreik am 24.9.

Die Hoffnung für eine bewältigbare Zukunft liegt jetzt in der politischen Aktion jedes einzelnen. Wir von Parents For Future laden alle Erwachsenen und vor allem Eltern mit Kindern ein, gemeinsam mit uns und den vielen Organisationen, die sich unter klimaprotest.at zusammengeschlossen haben, am Freitag, den 24.9., bei einer der Demonstrationen, die auch österreichweit stattfinden, mitzugehen und im eigenen Umfeld dafür zu werben!

Die Teilnahme am weltweiten Klimastreik am 24.9. ist eine Entscheidung für die eigene Zukunft und die unserer Kinder.

Eine Entscheidung für mehr Druck auf die Politik, damit diese endlich die Klima- & Biodiversitätsziele von 1994 und die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Grenzen für die Erderwärmung umsetzt.

Weil der Hausverstand, Sonntagsreden und der Glaube an technologische, in 2050 rechtzeitig stattfindende Wunder es nicht richten können wird.

Physikalische Gesetze sind (leider) nicht verhandelbar.

[Weitere Infos zum Streik am 24.9. in Wien auf www.klimaprotest.at und für alle anderen landesweiten Demonstrationen auf https://fridaysforfuture.at/events/weltweiter-klimastreik-24-9]

Aufruf von Parents For Future Global zum weltweiten Klimastreik: